Berechnungsmethodik: Die Belastungsbilanz

Zudem ist die Berechnungsmethodik des Maßnahmenpakets ungeeignet, um die reale Fluglärmbelastung der Bevölkerung aufzuzeigen. Der Bericht des Expertengremiums berechnet die Anzahl der neubetroffenen Bürger lediglich anhand der Frage, ob diese in 4 Nächten mehr als 3 mal durch Fluglärm geweckt werden (Seite 33). Das ist dann die Aufwach-Wahrscheinlichkeit von 75 %. Alle, die statistisch nicht so oft geweckt werden, werden nicht mitgezählt. Eine 4-köpfige Familie, bei der in jeder Nacht wegen Fluglärm 3 mal aufgewacht wird, gilt danach als unbelastet. Erst wenn öfters aufgewacht wird, gilt man als betroffen. Die Dunkelziffer der neubelasteten Bürger liegt daher eher bei 70.000.

Dass so gerechnet werden soll, hat der Flughafenbetreiber
Fraport festgelegt, nicht etwa die betroffene Bevölkerung. Die Belastungsbilanz zeigt dadurch zu wenige Neubetroffene.

Die Wirkung einer hohen Zumutbarkeitsschwelle (Aufwachwahrscheinlichkeit 75 %) zeigt sich anhand folgender Grafiken:

Bei einer hohen Zumutbarkeitsschwelle gilt folgendes:

 

Ein extrembelasteter Mensch ("Mensch 1") erfährt eine geringfügige Entlastung und wird dadurch in der Statistik zu einem unbelasteten Menschen.

 

Ein bislang nicht belasteter Mensch ("Mensch 2") erfährt eine im Vergleich zum Status Quo (keine Belastung) hohe Belastung; da diese aber unter der hohen Zumutbarkeitsschwelle liegt, gilt dieser Mensch auch als weiterhin unbelastet.

Bei Ansatz einer gesundheitsrelevanten Zumutbarkeitsschwelle (10 % Aufwach-wahrscheinlichkeit) kommt man zu folgendem Ergebnis:

 

Der extrembelastete Mensch ("Mensch 1") ist weiterhin belastet.

 

Der bislang unbelastete Mensch ("Mensch 2") ist zukünftig ebenfalls belastet.

 

Die Anzahl der Belasteten hat sich verdoppelt.

 

Dieses Ergebnis entspricht der Konsequenz des geplanten Anflugverfahrens:

  

 

 

Das Ergebnis heisst: großflächige Lärmkontamination.